Führungskräftenetzwerk:
Meeting am Meer in Heiligendamm 2011

In einem “Protokoll des Scheiterns” habe ich bei meinem diesjährigen Vortrag auf dem Führungskräftemeeting im Grand Hotel Heiligendamm über die Auswahl mobiler Computer für den Einsatz am Patientenbett referiert. Die rasante Weiterentwicklung im Hardware- Consumer Markt führt meines Erachtens dazu, dass die aufwändigen Evaluationsprozesse des öffentlichen Beschaffungswesens Lösungen den Zuschlag erteilen, die bei deren Einführung bereits als veraltet empfunden werden und es eigentlich auch tatsächlich sind.

Aber nicht nur die Hardware verursacht Akzeptanzprobleme im klinischen Alltag. Zwar propagierte die Industrie im gewohnt mondänen Ambiente des ehrwürdigen Grand Hotels beim Meeting an der Ostsee den Einsatz klinischer Informationssysteme der “dritten Generation” und sagte all denen Probleme Voraus, die diese nicht einsetzen würden. Im Rahmen einer Podiums- und Publikumsdiskussion mussten die Herstellervertreter dann jedoch zugeben, dass Drittgenerationssysteme tatsächlich noch nicht zur Verfügung stehen. Eine Bankrotterklärung der Branche, die immerhin alleine in Deutschland über 2′000 Krankenhäuser mit Software beliefert, im gesamten deutschsprachigen Markt gar an die 3′000 Kliniken! Vor diesem Hintergrund ist die permanente Ausweisung hoher Gewinne einiger Firmen gänzlich unverständlich. Offenbar wird zu wenig investiert, um die Systeme auf einem technisch aktuellen Stand zu halten – obwohl das notwendige Kapital hierfür vorhanden wäre.

Podiumsdiskussion zum Thema IT und Medizin in Heiligendamm: v.l.: Volker Hofmann, Intersystem; Christian Jordan, Microsoft Healthcare, Unterschleißheim; Guido Burkhardt, Kantonsspital Baden/Schweiz, Thorsten Schütz, Klinikum Itzehoe.

Die Kliniken haben derweil kaum Handlungsspielraum, denn eine weitere Erkenntis des “Meetings am Meer” ist auch, dass die aktuelle Systeme sich gegenseitig nicht viel tun und die massgeblichen relevanten Klinikinformationssysteme in deutsch, das sind wohlwollend gerechnet maximal sieben an der Zahl, alle in etwa das selbe können. Ein Systemwechsel lohnt sich also in den allermeisten Fällen für die Krankenhäuser in Bezug auf die Funktionalität nicht. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass er dennoch beispielsweise wegen eines nicht optimalen Kunden- Lieferanten Verhältnisses oder aufgrund unterschiedlicher Schwerpunkte in den Produkten bzw. Häusern sinnvoll sein kann.

Als Keynotespeaker sprach bei der diesjährigen Konferenz der ehemalige Sächsische Ministerpräsident Prof. Dr. Kurt Biedenkopf zu den gesellschaftspolitischen Fragen, die sich im Umfeld des Gesundheitswesens, des demographischen Wandels und der Health-IT stellen. So führte er unter anderem aus, dass die IT in aller erster Linie eine dienende Funktion in den Kliniken habe. Wenn dies -allgemein akzeptiert- so wäre, so Biedenkopf, müsse man sich entsprechend als erstes fragen, wozu sie denn dient, die IT und wo ihr Nutzen liege. Der 81jährige frühere Spitzenpolitiker zeigte sich sehr interessiert an den Themen, welche in dem Kongress zur Sprache kamen und besuchte die Vorträge der Veranstaltung über seine eigene Redezeit hinaus “um zu lernen” wie er sagte.

Weitere Infos: Artikel des Krankenhaus IT- Journals zum Führungskräftemeeting 2011

Heiligendamm 2011 - Blick in das Auditorium

Bilder: Hartmuth Wehrs, Krankenhaus IT-Journal

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