iPad im Spiegel der veröffentlichten Meinung

Warum nur, so fragt man sich, kommt das vor zwei Tagen von Apple vorgestellte “iPad” eigentlich so schlecht in der Presse weg? Sind es tatsächlich die höheren Erwartungen, die der Hype um das Gerät im Vorfeld geschürt hatte? Sind es wirklich die als unzureichend empfundenen technischen Spezifikationen, wie die fehlende Multitaskingfähigkeit? Ich glaube das nicht.

Was wir zu lesen bekommen ist die veröffentlichte, nicht aber die öffentliche Meinung. Die Webseitenbetreiber und Blogger dieser Welt sind gespalten: die einen, wie ich, begeistert. Die anderen enttäuscht. Nein, ein High-End Computer, der allen Ansprüchen an ein digitales Office im DIN A4 Format gerecht wird, ist das iPad wohl noch nicht. Muss er aber auch (noch) nicht sein. Was seinen Nutzen ausmacht kann man erahnen, wenn man die teilweise niederschmetternden Artikel der Printmedien über das Gerät verfolgt: In den Verlagen kursiert die nackte Angst, dass mit diesem Entwicklungsschritt der Computerrei nun endgültig ein Massensterben der Druckerpressen beginnt. Ob das wirklich so ist? Ob sie die Menschen sich wirklich von ihrer papierenen Morgenzeitung oder ihrem Wochenmagazin und dicken Schmökern verabschieden? Egal. Die Angst geht um. Es ist etwas Grosses im Busch.

Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob das Gerät mehr oder weniger kann, als die seit Jahren auf dem Markt befindlichen Tablet PCs. Ob iPads in Massen gekauft, genutzt und geliebt werden, ist die einzig relevante Frage. Obwohl Vorhersagen immer dann besonders schwer sind, wenn sie die Zukunft betreffen, will ich mal eine riskieren: Das iPad wird das Verhältnis weiterer breiter heute noch computerferner Schichten zur Nutzung von Computern komplett verändern. Somit steigt die Zahl der Anwender von Computertechnologie weiter an, wie ich erwarte. Gleichzeitig verändert sich das Nutzungsverhalten und die Orte der Computernutzung weiterer Personenkreise. Sass man zuletzt noch in einer Ecke des Wohnzimmers am PC, der nur zu definierten Gelegenheiten eingeschaltet wurde, so wird man jetzt erleben, dass das Garät stets griffbereit in der guten Stube liegt. Ob schnell mal etwas bei den Hausaufgaben gegoogelt werden muss, oder auch die eMails abgerufen werden sollen; die Arbeit am Computer muss nicht mehr geplant werden, geht nicht mit minutenlangen Startprozeduren einher und stört auch optisch die Wohlfühlatmosphäre des Raumes nicht mehr, wie es der Wohnzimmer-Fremdkörper PC noch tut. Wer genügend Räume hat, hat dem Rechner vielleicht sogar ein “eigenes Zuhause” in einem Büroraum gegeben. Dieses Zimmer kann künftig wohl wieder anderweitig disponiert werden.

Veränderungpotenzial gewohnter Abläufe gibt es reichlich. Ein weiteres Beispiel? Hier ist es: Wieso müssen Schulkinder eigentlich immer noch 10KG schwere Tornister voller Bücher mit sich herumschleppen?

Das Wichtigste im Zusammenhang mit der Einführung des iPad aber ist, dass die Affinität der Menschen zum Computer mit dem flachen Apple Pad eine andere werden dürfte, sie eine weitere Entwicklungsstufe erklimmt. Das nützt der Entwicklung der Gesellschaft, die zusehens weniger in solche, die keinen Mausführerschein besitzen und jene, die Tag und Nacht online sind, gespaltet bleibt. Dieses wiederum dient des Ausbaus der Kokurrenzfähigkeit einer Gesellschaft auf den Weltmärkten, da auch die prozessunterstützende Anwendung von Rechnern im beruflichen Alltag für viele Menschen wieder ein Stück selbstverständlicher geworden sein wird und sich dadurch neue Chancen für effiziente Arbeitsabläufe ergeben.

Ob das iPad nun als technische Innovation ein grosser Wurf ist oder eher nicht – soziologisch ist seine Markteinführung aller Voraussicht nach ein bedeutsamer Entwicklungsschritt unseres Zeitalters.

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One Response to “iPad im Spiegel der veröffentlichten Meinung”

  1. [...] schon. Der ist doch seit mindestens einem Tag schon auf der welt.de Website!? Einer der übliche Verrisse. [...]

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