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Welch ein Tag

Wednesday, October 19th, 2011

So ein Musicaltheater hat etwas Feierliches. Das ist im alt-ehrwürdigen „Gloria Theater“ in Bad Säckingen ganz besonders der Fall. Es besticht durch den einzigartigen Charme der 1950er Jahre. Dort würden wir also auftreten. Wir, das sind die New Gospel Singers Murg, gegründet 2002 und zwar ursprünglich als Projektchor des Männerchores Murg. Dieser feiert 2011 sein 150jähriges Jubiläum und als Abschluss der über das ganze Jahr verteilten Jubiläumsfeierlichkeiten, würden wir 35 Gosplerinnen und Gospler „unseren Männern“ zur Freude und Ehre im Gloria Theater „performen“. Performen, so sagt man das heute. Wir gehen mit der Zeit. Unser jüngstes Chormitglied wurde gerade süße Siebzehn, die Alterspräsidentin ist derweil bereits über 60 Jahre alt. Und doch sind wir als Chor wie aus einem Guss.

Mit der A-capella-Formation „Maybebop“ stünden wir auf der Bühne hieß es seitens Chorleiterin Anne Kütemeier. Wir erfuhren, dass Maybebop vier junge Musiker wären, die wie wir ihre Körper als Instrumente benutzten. So nahmen wir die Planung der Chorleitung zunächst entspannt entgegen. Ein Klick und Blick ins Internet lehrte uns dann aber doch das Fürchten: Vollprofis! Keine Spaß-an-der- Freude-Hobbysänger wie wir. Es gab viel zu tun wollten wir nicht allzu blass neben denen aussehen!

Monatelang erarbeiteten wir ein vollkommen neues Repertoire, denn bei aller Bescheidenheit dürfen wir durchaus inzwischen eine nicht allzu kleine lokale Anhängerschar unsere Fans nennen. Denen konnten wir „im Gloria“ unmöglich das letztjährige Programm präsentieren. „Im Gloria“ wurde zum geflügelten Wort im Chor wobei das Gloria-O bei der Aussprache ehrfürchtig gedehnt wurde. „Im Gloooria!“ – das stand synonym für die gute Performance, die wir dort würden abliefern wollen und so nahm ein übungsintensives Jahr seinen Lauf.

Drei Wochen vor dem Auftritt festigten wir Tonfolgen und Choreographien aller Stimmen bei einem arbeitsreichen Hüttenwochenende. Und drei Tage vor dem Schritt ins Rampenlicht probten wir erstmals auf der großen Theaterbühne. Ob der Chor neben einem Kerzenleuchter stehend während einer Hochzeitsfeier singt, oder von dutzenden Bühnenscheinwerfern angestrahlt wird, das stellt schon einen Unterschied dar. Wo die Bühnenscheinwerfer strahlen, da strahlt kein Publikum mehr, denn unsere Blendung wird so stark sein, dass bestenfalls einige Menschen in den ersten Reihen zu erkennen sei dürften. Scheinwerfer waren wir gewohnt, aber die hier, die könnten bestimmt bis zum Mond leuchten.

Am Morgen des Auftrittstages begann unsere letzte Probe zehn Stunden vor Öffnung des Vorhangs. Dabei polierten wir die eine oder andere Stelle noch glatt, bei deren Betrachtungen sich unter dem Gehörmikroskop noch feiste Unebenheiten gezeigt hatten. Dann waren sie da: Maybebop! Im Gepäck hatten sie ein noch feineres Mikroskop als wir es genutzt hatten und erarbeiteten mit uns im Rahmen eines Workshops hilfreiche Techniken zu Chorgesang und Bühnenpräsenz. Bis zum Abend hatten wir einen hochwertigen Kurstag mit diesen hervorragenden Musikern absolviert der sogar individuelle Stimmbildungsberatungen für viele von uns einschloss. Es war phantastisch.

Noch drei Stunden. Es wurde Zeit für einen gemeinsamen Soundcheck. Die Bühne fühlte sich gut an. Schon fast vertraut. Es half uns sehr den leeren Theatersaal zunächst für uns zu erobern. Die gespannte Erwartung wich der puren Lust. Jetzt wollten wir raus!

Noch eine Stunde. Ohne Lampenfieber, ohne Kribbeln, Spannung, manche Albernheit, spontane gegenseitige Umarmungen und Konzentration auf das Kommende ging’s doch nicht. Die Künstlergarderobe in den Theaterkatakomben wurde zu ihrer eigenen Bühne. Der Bühne, auf der wir nun gegenseitig für uns spielten. Das Programm hieß: „Mut machen!“, Untertitel „Freude haben!“.

Noch zehn Minuten. „New Gospel Singers auf die Bühne!“ Ach Du Schreck. Treppen steigen, vorne Ziehen, hinten Schieben. Kein Ausweg mehr. Da, die Bühne! Ach, alles wie zuvor. Kennen wir ja alles schon. Entspannen. Aufstellen. Saallicht runter. Der Perkussionist bekommt seinen Einsatz: Dummm dubidubi dumm. Afrikanische Rhythmen. „Choreo!“ Alle tanzen. Der Vorhang geht auf. Anne lächelt.

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Einsatz für die Frauenstimmen. Wechselgesang, jetzt die Männer. Dann alle. Das Publikum wippt. Eis gebrochen nach 30 Sekunden. Wahnsinn! Das Lied baut sich auf. Bewusste Steigerung, dann ein stimmliches Schlussfeuerwerk, der Saal bebt. Haben wir das jetzt gerade gemacht? Wir staunen irgendwie über uns selber.

Es folgt der Gospelblock, dann bekannte Popklassiker. Kein Halten in den Rängen. Der Soundtechniker spielt Motorradgeräusche ein, wir schlüpfen in bereitliegende Lederklamotten, setzen Sonnenbrillen auf. We will rock you! Der Queen Song mit seiner markanten Rhythmik war bei der Probe vor drei Tagen so dermaßen in die Hose gegangen. Das Publikum ahnt nichts. Pro Sänger werden bei unserer Interpretation ca. drei Hirnhälften an Rechenleistung benötigt – das haben nicht alle von uns. Kopf senken, jetzt heben, Singen, Pause, Phrasen von einer anderen Stimme entgegennehmen und zu Ende führen, Rhythmus mit den Beinen auf die Bretter stampfen, auf die Dirigentin und ins Publikum schauen, Klatschen, rechts, links oder geradeaus – aber immer alle in eine Richtung. Mit dem letzten Liedton einen Arm in die Höhe strecken, einfrieren. Alle synchron. Welch ein Auftritt! Das Publikum rast. Wir auch. Innerlich.

Es folgt unser Balladenblock. Drei Solistinnen präsentieren ihre gefühlvollen Stimmen. Gut, dass wir’s schon so oft gehört haben. Gänsehaut, Stimmversagen und Tränchen der Rührung hätten sonst die Folge sein können. Dann noch ein unglaublich gewaltiger Gospelsong. Donnernder Applaus, Zugaberufe. Die Chorleitung überrascht später mit spontanen Ideen, welche unvorbereitete zweite und dritte Zugabe präsentiert werden könnte. Als sich der Vorhang zur Pause schließt baden wir in Endorphinen. Welch ein Tag!

In der Pause sickert durch: unser Publikum ist aus dem Häuschen. Wir sind es auch. Maybebop betritt die Bühne. Sie werden uns später sagen, dass sie durch unseren Act ab der ersten Minute die volle Aufmerksamkeit und Zuneigung des Publikums hatten. Sie bieten eine Show aus perfektem Gesang, witziger Clownerie und spontaner Reaktion auf angeforderte Zurufe des Publikums. Das wäre ein Artikel für sich. Unser Tipp: besuchen Sie bei nächster Gelegenheit unbedingt ein Maybebop Konzert!

Mit einer gemeinsamen Swing-Nummer des zunächst klassisch beginnenden „Ade zur guten Nacht“ verabschieden sich die New Gospel Singers Murg und Maybebop von einem phantastischen 600- köpfigen Publikum. Dankbar für die künstlerische Vorbereitung durch Anne Kütemeier, den Support des Männerchores Murg, der für uns alle organisatorischen Dinge im Hintergrund erledigte, für den wunderbaren Auftritt der Solistinnen Corinna Senzel, Astrid Jehle und Tiziana Messana, die instrumentale Begleitung durch Miriam Wolf am Klavier, Moritz Becker, Perkussions und Christian Kütemeier auf der Gitarre und die perfekte technische Unterstützung des Gloria-Teams rund um Alexander Dieterle, feiern wir bis weit in die Nacht dieses besondere Erlebnis zum 150jährigen Jubiläums unseres Hauptchores. Nach diesem Wochenende werden die Zeitungsüberschriften der Lokalpresse „Chor zeigt Meisterleistung“ und „Konzert war der krönende Abschluss“ sein. Welch ein T ag!

Internetgemeinde bewies Stilsicherheit

Sunday, July 4th, 2010

Das kollektive Know-how der Webgemeinde hat mal wieder sein Können unter Beweis gestellt. Stilsicher suchten 70 % der Votanten das passende Bühnenoutfit für meinen ersten Gospelchorauftritt anlässlich einer Hochzeit im Bad Säckinger Münster.

Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben. Die Kluft trug sich hervorragend und kam ebenso bei den Chormitgliedern an.

Die Blues Brothers bei “Sister Act”

Friday, June 11th, 2010

Habe gerade was Witziges entdeckt. Im Film “Blues Brothers” gibt es diese Szene, in der James Brown als “Reverend” die ganze Kirche aufmischt. Die Blues Brothers stehen an der Eingangstür, Elwood wird von einen Sonnenstrahl erleuchtet, Tanzt wie ein wilder und weiss, er soll “die Band” wieder zusammenführen. Hier die Szene im Film:

Der Gag nun ist, dass in der Schlusszene zu “Sister Act”, in der der Ordensschwestern-Chor dem Papst “I will follow him” vorsingt, Jake und Elwood Bues wieder an der Türe der Kirche stehen. Eine weitere Handlung der beiden gibt es nicht. Sie stehen einfach nur dort – so wie in ihrem eigenen Film. Witzig, oder?